Gesundheitsvorsorgeuntersuchung – was Sie wissen sollten

gesundheitsvorsorgeuntersuchung

Egal wohin man schaut und hört:  Jeder empfiehlt sie. Ob Krankenversicherungen, Ärzte*innen, Bekannte oder Familienangehörige, die Gesundheitsvorsorgeuntersuchung ist de facto eine Präventivmaßnahme zur Erhaltung der eigenen Gesundheit und Leistungsfähigkeit, aber auch ein Frühwarnsystem, welches schon in vielen Fällen Leben gerettet hat.

Nun ist es aber so, dass eine Gesundheitsuntersuchung nicht immer eine Gesundheitsuntersuchung ist. Als Kassenpatient*in stellt man sich – zu Recht – darunter eine Untersuchung vor, die in irgendeiner Form den kompletten Körper mit einschließt.  Und so aussagekräftig ist wie nur möglich.
Dazu braucht´s aber einiger Untersuchungen. Und schon geht es dann los mit dem Uneins sein: Patient*in will alles – Arzt*in soll sich an die Abrechnungsregeln halten.

Was versteht die gesetzliche Krankenkasse unter der  Gesundheitsvorsorgeuntersuchung

Die gesetzlichen Krankenkassen propagieren die Vorsorgeuntersuchungen sehr stark, ja erhalten ihre Mitglieder gerne auch bei regelmäßiger Inanspruchnahme Boni. Ob diese in monetärer Form oder in Bonuspunkten belohnt wird und was es dann für die Punkte-Sammlung gibt, ist unterschiedlich.
Eines ist aber allen Kassen gemein: Im Leistungskatalog wird ganz genau beschrieben, wie diese Untersuchung bei Arzt*in ihres Vertrauens genau auszusehen hat, damit sie auch mit genau 31,52€ vergütet (von der Kasse übernommen) wird – bei mindestens 21 Minuten “Arbeitszeit”.

  1. Die Gesundheitsvorsorgeuntersuchung gilt ab dem 35. Lebensjahr und soll in einem 2-jährigen Turnus stattfinden.
  2. Es soll eine ausgiebige Anamnese erhoben werden. Diese beinhaltet Fragen zur eigenen Person, aber auch zu Familienangehörigen. Über Wohlbefinden, schon bestehende Erkrankungen, vergangene Operationen und Medikamente.
  3. Ein sogenannter Ganzkörperstatus soll erhoben werden. Sie vermuten jetzt, dass alle Hauptorgane gecheckt werden sollen – und zwar akribisch. Schließlich wollen Sie sich ja einen Überblick über die Verschleißteile im eigenen Körper verschaffen:  Was ist noch super in Schuss, was stottert schon etwas oder hat Rost angesetzt, was steht kurz vor dem Totalausfall. Arzt*in soll erklären,  in welcher Abhängigkeit diese Teile stehen, so dass angefressene, nicht mehr voll funktionstüchtige, andere, noch gut funktionierende, zu einer höheren Leistung treiben – was auf Dauer auch nicht gut sein kann. Die einzige Möglichkeit, wie Ärzte*innen gemäß Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen diese Untersuchung durchführen dürfen, ist mit Stethoskop und Händen.  Nur diese Untersuchungsmethode wird von den gesetzlichen Krankenkassen gezahlt.
    Wir wissen, dass Sie als Mensch des 21. Jahrhunderts, der um den technischen Fortschritt weiß, dem oftmals kopfschüttelnd gegenüber stehen, weil Sie sich fragen, ob solch eine Untersuchungsmethode tatsächlich so aussagekräftig ist, wie Sie es sich vorstellen.
  4. Eine Blutdruckmessung gehört ebenso wie eine Urinuntersuchung mit Teststreifen dazu. Mit solch einem Teststreifen können die ersten Hinweise auf eine Zucker-, Nieren- und Blasenerkrankung erkannt werden.
  5. Bei der Blutentnahme wird im Labor mit den ersten einfachen Parametern auf Diabetes und erhöhtes Cholesterin untersucht. Weitere Parameter in Kombination, die zu noch mehr Aussagekraft führen, gehören leider nicht in den Leistungskatalog.

 

Darf´s ein bisschen mehr sein

Gesetzlich versicherte Patienten reden mit privat versicherten Patienten. Oder wissen um die diagnostischen Möglichkeiten wie Ultraschall und EKG.
Ein Ultraschallgerät ist für den Mediziner das Auge ins Innere des Körpers. Die Augen sehen eben mehr als der Tastsinn es je hergeben könnte.

Wollen oder erwarten Sie als gesetzlich versicherte/r  Patient*in nun mehr als das, was Ihre Kasse im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung zahlt, dann wird aus der Gesundheitsvorsorgeuntersuchung,  auch “CheckUP 35” genannt, eine Individuelle Gesundheitsleistung. Und die ist nach der Gebührenordnung für Ärzte abzurechnen.

Das gilt für die Gerätediagnostik wie Ultraschall und EKG, aber auch für weitere Blutuntersuchungen. Eben das bisschen mehr, dass die Genauigkeit erhöht, die Sie oftmals zur Beruhigung brauchen:

  • Check der Durchlässigkeit der Arterien und Venen
  • Check der inneren Organe wie Schilddrüse, Herz, Leber, Blase etc. Kleine Knoten und Veränderungen kann man nicht tasten
  • Check auf einen Vitamin- und Mineralmangel, der sich enorm auf das gesundheitliche Befinden auswirken kann. Das Gießkannenprinzip mittels Vitamin-Brause-Tabletten ist da weniger förderlich.

Oben aufgeführte Leistungen sind nur beispielhaft. Es gibt noch mehr sinnvolle, präventive Untersuchungen, die früher alle im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen enthalten waren. Jetzt kennen Sie den Unterschied der Leistungskataloge – und können letztendlich selbst entscheiden, was Sie sich und Ihrem Körper gönnen.

Und noch etwas

Wussten Sie, dass wir Ärzte*innen dazu verpflichtet sind, Ihnen als Patienten alle Möglichkeiten aufzuzeigen und anzubieten?

Quelle:  Ärztekammer Berlin:
Nach ständiger Rechtsprechung muss bei mehreren möglichen Behandlungsmethoden über die verschiedenen Möglichkeiten aufgeklärt werden. In § 630e Absatz 1 Satz 3 heißt es hierzu:

“Bei der Aufklärung ist auch auf Alternativen zur Maßnahme hinzuweisen, wenn mehrere medizinisch gleichermaßen indizierte und übliche Methoden zu wesentlich unterschiedlichen Belastungen, Risiken oder Heilungschancen führen können.”

, by : Diana C. Bernardi4Praxis