Kaffee als Kickstarter – ja oder nein

kaffee als kickstarter

“Kaffee ist nur schädlich, wenn Ihnen ein ganzer Sack aus dem fünften Stock auf den Kopf fällt.“ – Mit diesem Zitat des Kaffeehändlers Albert Darboven eröffnen wir heute die Verfolgung der Pros und Contras zum Kaffeegenuss. Wir alle schälen uns morgens – seit der Zeitumstellung noch langsamer – aus dem Bett. Und benutzen den Kaffee als Kickstarter.
Zumindest behaupten sehr viele unter uns, die vor der ersten Tasse Kaffee am besten erst gar nicht angesprochen werden wollen, dass Kaffee das beste Hilfsmittel sei, um sich erst lebendig zu fühlen. Ab und an wünschen wir uns sogar Kaffee in Form einer Infusion. Aber was ist Kaffee eigentlich? Und was macht er mit unserem Körper?

Kaffee ist ein Produkt aus Kaffeebohnen

Am Anfang ward die Kaffeepflanze. An ihr hängen die Kaffeekirschen. Und wie jede andere Frucht meist auch, besitzt diese im Inneren den Samen, unsere allseits heißgeliebten Kaffeebohnen.

kaffeepflanzeSchaut man sich diese bunten Knospen an, kommt man nur schwer auf die braune Brühe, die allmorgendlich in einer unserer Tassen schwappt. Aber man kann sich vielleicht so besser vorstellen, dass da in in diesen Beeren auch ein paar Vitamine stecken könnten. Und ja, es gibt eines, das unser Körper eigentlich sehr gut gebrauchen kann: das Niacin. Ein Vitamin aus dem Vitamin-B-Komplex.

Niacin (oder auch unter den Chemikern Nicotinsäure genannt) findet sich in allen lebenden Zellen und wird in der Leber gespeichert. Sie bildet einen wichtigen Baustein verschiedener Coenzyme (NAD, NADP) und ist in dieser Form von zentraler Bedeutung für den Stoffwechsel von Eiweißen, Fetten und Kohlenhydraten. Gegenüber Hitze, Licht und dem Luftsauerstoff ist Nicotinsäure weniger empfindlich als andere Vitamine der B-Gruppe.

Inhaltsstoffe des Kaffees

Was nehmen wir noch so in uns auf, wenn wir genüsslich an unserer Tasse nippen? Der am häufigsten erwähnte und bekannteste Inhaltsstoff ist ja wohl das Koffein. Für die Pflanze sichert es das Überleben, wirkt es doch als ein Alkaloid als Nervengift und sichert somit gegen Insekten ab. Das Koffein wirkt stimulierend, von anregend bis erregend.

Dann haben wir die Cholorogensäure, einem Ester der Kaffeesäure mit der Chinasäure.
Für diejenigen, deren Chemieunterricht schon ein wenig länger in der Vergangenheit liegt: Ester sind chemische Verbindungen, die formal oder de facto durch die Reaktion einer Säure und eines Alkohols oder Phenols unter Abspaltung von Wasser (eine Kondensationsreaktion) entstehen.

Und wieder was gelernt bzw. aufgefrischt. Das bekommt der Schreiberling dieses Artikels gerade auch nur mit der 3. Tasse Kaffee hin 🙂

Diese Chlorogensäure vermindert im allgemeinen die Verträglichkeit des Kaffees, was aber zum Glück durch den Abbau über eine langsame Röstung – was bei einer Indrustrieröstung leider nicht immer der Fall ist – außer Kraft gesetzt wird. Auf der anderen Seite ist die Chlorogensäure ein Anti-Oxidans, also einem Radikalfänger. Salopp gesagt verlangsamt solch ein Stoff den Alterungsprozess unserer Zellen. Aber auch die Zucker-Resorption (also die Aufnahme in den Körper) wird verlangsamt.

Der Schreiber überlegt gerade, ob dann ein Teelöffelchen Zucker bei einem schlecht gerösteten Kaffee für den Körper rechnerisch gen Null geht ….

Weiter im Text: Auch für den Blutdruck, die Blutgerinnung und die Leber erweist sich die Chlorogensäure als nützlich, senkt sie doch den Druck und hemmt die Gerinnung und eventuelle Entzündungen der Leber.

Während der Röstung entstehen weitere Stoffe, die Melanoide. Sie entstehen durch die sogenannte Maillard-Reaktion aus Eiweißen und Zuckern. Darunter können Sie sich so etwas in der Art des Karamellisierens vorstellen. Chemisch aber doch etwas anders. Jetzt kommen Sie natürlich schon selbst darauf, dass genau dieser Prozess die Farbe, den Geschmack, den Geruch und die Verträglichkeit bestimmt. Diese Melanoide sind appetitanregend. Aber auch ein Radikalfänger. Sie binden Zink und hemmen auch zinkhaltige Enzyme, so dass weiterhin in Richtung Anti-Tumorwirkung geforscht wird.

Dann gibt es noch ein paar Mineralstoffe wie Kalium, Kalzium, Magnesium und Phosphor, ein paar Polysaccharide im Kaffeesatz und die Kaffee-Öle Kafestol und Kaweol. Die transportieren diesen Duft, den wir am Morgen so lieben, und erzeugen die heißgeliebte Crema.

Sprechen wir vom Kaffee als Kickstarter

Moment, so einfach ist das jetzt auch wieder nicht. Der Koffeingehalt in einer Tasse Kaffee variiert von 400mg bis 600mg. Die Konzentration hängt von Kaffeeart, Wasserkontaktzeit und Zubereitungsart ab. Es dauert ca. 30 Minuten, bis es aus dem Magen-Darm-Trakt resorbiert und im Körper verteilt wird. Und jetzt kommt es. Jetzt passiert dieser Stoff die Blut-Hirn-Schranke und wirkt endlich als das, wofür wir unseren Kaffee lieben: Kaffee als Kickstarter.

Wie das in unserem Organismus aussieht? Das Koffein lagert sich an die Rezeptoren des körpereigenen Botenstoffes Adenosin an. Das Adenosin schützt unsere Hirnzellen vor Überbeanspruchung und erzeugt normalerweise eine erholsame Müdigkeit. Ergo: Das Koffein lässt unser Gehirn mal für 2,5 – 4,5 Stunden wieder Samba tanzen. Und wenn wir nicht gerade auch noch zu der Spezies der Raucher gehören, dann arbeiten wir hochkonzentriert – wie zum Beispiel an diesem Artikel.

Was wir damit sagen wollen? Die Koffeineinwirkung ist bei Rauchern und Menschen mit einem verlangsamten Stoffwechsel vermindert. Dafür haben Schwangere und Frauen, die die Pille einnehmen mehr Spaß daran – es verlängert nämlich die Wirkung.

Wirkung auf unsere Körperfunktionen

An dieser Stelle sei aufgelistet, was so eine Tasse Kaffee alles schaffen kann:

  • Anregung des Zentralen Nervensystems, was eine erhöhte Wachheit, Informationsverarbeitung und Wahrnehmung bedeutet
  • Energiefreisetzung und Hinauszögerung von Erschöpfung
  • Erhöhung der Kontraktionskraft des Herzens
  • Steigerung von Herzfrequenz, also dem Puls, und des Blutdrucks, was vielleicht nicht immer gewollt ist
  • Bronchialerweiterung – da können Sie mal richtig tief durchatmen (aber nicht während des Trinkens)
  • Schwach harntreibende Wirkung
  • Erweiterung von Blutgefäßen im Körper mit Ausnahme des Gehirns: da wirkt unser Kaffee verengend
  • Anregung der Verdauung, was bedeutet, dass die Darmtätigkeit heraufgesetzt wird, die Magensäure und der Gallenfluss angeregt werden. Ein Espresso nach dem Mittagessen ist also wahrlich nicht verkehrt!

Ist Kaffee gefährlich?

So gefährlich, wie auch Kamillentee sein kann, würde man davon tonnenweise konsumieren. Die Menge macht es! Vergiftungserscheinungen im Sinne von Übererregtheit können beim gesunden Erwachsenen schon ab 1 Gramm Koffein eintreten. Das bedeutet, Sie müssen so in etwa 10 Tassen Kaffee zu sich nehmen. Die tödliche Dosis liegt bei 3 – 10 Gramm Koffein. Also 30-100 Tassen würden Krämpfe und Lähmungen hervorrufen. Logischerweise sind Kinder und Heranwachsende deutlich empfindlicher. Wie das Koffein vertragen wird, ist vom Körpergewicht abhängig.

Wenn Sie jetzt noch Zweifel haben, ob Kaffee für Sie in Frage kommt – fragen Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin.

 

, by : Diana C. Bernardi4Praxis

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